Als ich nach einer hitzigen Diskussion über Mac OS vs Linux mitten auf der Warschauer Brücke bei 10° und Nieselregen den Bus bestieg, fiel mir auf, dass ich der seit Monaten auf meiner Festplatte schlummernden Ubuntu-Partition eigentlich nie eine faire Chance gegeben habe.
Nachdem sie eindeutig bewiesen hatte, dass es mit dem vertrauten "ich pack's aus und es läuft wie ne 1" Gefühl von Mac OS noch weit her ist, habe ich es bei einer spaßeshalberen XMonad-Installation und ein paar Rants belassen und weiterhin ausschließlich mit Mac OS gearbeitet. Nachdem mir das im letzten Jahr aber des öfteren und massiv um die Ohren geflogen ist (kann auch Eigenverschulden sein, würde gerne mehr über die Gründe lernen) und ich mit Apples Firmenpolitik (und langsam auch ihrer Software) mehr und mehr Bauchschmerzen bekomme— oh, und weil mein Appeltje kurz vorm abnippeln ist— ist es an der Zeit, sich ernsthaft nach Alternativen umzusehen.
Als Kind einer Grafikdesignerin bin ich zwischen Macs aufgewachsen und habe den Windows-hass mit der Muttermilch eingeflößt bekommen. Das, und die Tatsache dass ich weder das Nervenkostüm noch die Geduld für ein schlechtes proprietäres Betriebssystem habe (auch wenn's das dank MSDNAA umsonst gibt), hat Windows von vorne herein aus der Diskussion genommen.
Da es auch nicht allzu Obskur werden sollte (besagte Ungeduld, wissenschon), blieb also noch Linux. Da war doch was...
Nun sitze ich gerade im Zug nach Westdeutschland, um dort Freunde und das Land, aus dem mein Perso kommt (die Niederlande) besuchen zu gehen und habe beschlossen: Sobald ich ausgestiegen bin, wird Mac OS nur noch benutzt, wenn es kein Linuxtool für die Aufgabe gibt, das (ganz wichtig) zumutbar ist.
Womit wir beim Thema wären.
Einige ahnen es vielleicht schon: Ich bin ein Klickibuntinazi. Einfach weil ich hübsche, intuitive und vor allem gut durchdachteDinge mag. Es ist nicht so, dass ich nicht bis zu einem gewissen Grad mit Konsolen klarkäme. Lustigerweise mache ich sogar unter Ubuntu das, was ich will, fast immer mit dem Terminal, weil ich Metacity— und das ganze standard-Gnome— nicht ertrage. Dieses gedankenlos aus Windows- und Mac OS - Bedienphilosophien zusammengerotzte und mit shiny stuff überkippte... Dings. Allein wenn ich Menübars IN JEDEM EINZELNEN VERDAMMTEN FENSTER sehe, könnt ich Eimer kotzen. Oh, in Kombi mit einer nicht ausgenutzten Mac OS-ähnlichen Leiste oben und einer Ablage unten? Sagte ich Eimer? Bringt die Badewannen!
Kurz: wenn die eh schon knappe Fläche meines 13"-Displays grundlos zugemüllt wird, tut mir das Körperlich weh.
Und das ist einer der Kritikpunte, wegen derer ich mein Ubuntu bisher nur vom wegsehen kenne. Ein anderer:
Nachdem nach viel Heckmeck die Partition endlich stand, ging's ans Tastaurlayout. mal ganz abgesehen davon, dass ich die Position der ctrl-taste für ein Konstrukt der Sehnenscheidenentzündungstherapieindustrie halte ( in >10Jahren Mac OS habe ich mir angewöhnt, die gute alte Apfeltaste, die bekanntlich gleich neben der Leerzeichentaste liegt, mit dem Daumen zu drücken. Verrenkungen bei ctrl vorprogrammiert), habe ich eine geschlagene halbe Stunde gebraucht, bis ich meine ersten [ ] { } tippen konnte. Warum? Naja, es gibt zwar ein auswählbares Tastaurlayout namens "Macbook". Aber das heißt NICHT, dass dann schon die Ebene für die Sonderzeichen freigeschaltet ist... Neheeeein, das muss man erst unter >system>keyboard preferences>options>keys to choose 3rd level>enter on keypad zulassen.
m(.
Als ich meinem Gesprächspartner von der Warschauer das erzählte, lachte er kurz, sagte, das sei allerdings ein Fail, empfahl mir neo2 zu benutzen, hielt kurz inne und frug dann – "Hast du denn nen Bug report abgeschickt?"
Und da machte es klack. Hatte ich nämlich eben nicht. Weil ich von meinem an sich sehr schönen Betriebssystem gewohnt war, dass man an seinen hässlichen Seiten nix machen kann. Dit kanns doch auch nich sein...
Und deshalb werde ich, bis ich wieder Berliner Boden unter den Füßen habe, fleißig Screenshots machen und ranten und Bug reports und Tagebucheinträge schreiben und mich hoffentlich auch über fixes und tolle Funktionen freuen. Und wer weiß, vielleicht lern ich ja sogar, wie man manche Dinge selber fixt.
(Für das ctrl-Problem gibt es btw eine schönen Alternative: ctrl auf die caps-lock-Taste legen. Die sollte eh keine Sau brauchen. (*hust*). Bequem mit dem kleinen Finger erreichbar, Autorin glücklich. )
Auf gehts!
Testumgebung
Macbook 1.1 mit Ubuntu 10.1 und XMonad, mal sehen ob mir das lieber ist als Metacity, werd ggf. beides durchprobieren. Oder was ganz anderes nehmen. We'll see!
warum Ubuntu?
Ganz ehrlich? Weil es auf meinem Rechner ist. Und weil es Arschkrampf genug war, es da rauf zu bekommen, werde ich da vorerst nix neues drüberbügeln.
Es fehlt mir schlicht an Erfahrungen, um zu wissen, ob ich nicht doch lieber Debian oder FreeBSD oder.. benutzen sollte. Unter anderem ist auch das Ziel dieses Experiments: rauszufinden was ich will und brauche und welches System diese Anforderungen am ehesten erfüllt- um dann in der Lage zu sein, es meinen Bedürfnissen anzupassen.
ähh, und warum XMonad??
Weil ich schon immer mal mit nem Tiling Windowmanager rumspielen wollte. Und XMonad ist in Haskell geschrieben. Und awesome hat ja jeder, das wär zu einfach.. ;)
wenn du hübsche Dinge magst, warum sieht dein Blog dann so scheiße aus?
War mit der Installation und Einrichtung von Ubuntu beschäftigt. Siehe unten.
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Tja, denkste Puppe! Einmal angekommen klappte ich schwer motiviert meinen Rechner auf, klickte auf den mir fröhlich entgegen lächelnden Tux und sah.. nichts. Ich habe mir wohl in irgendeiner Kamikazeaktion die boot-partition zerschossen. Juhu!
Ich habe die letzten 1.5 Tage mit allerlei Versuchen, Ubuntu ohne CD-Laufwerk zu installieren, verbracht- es half alles nix. Durchprobiert habe ich
einiges an Anleitungen sowie Firewire Target Mode mit einem Mac, der noch im Besitz eines funktionstüchtigen Laufwerks war. Im Endeffekt hat mir das wunderbare @plaetzchen sein MacBook Pro überlassen, in das ich meine Festplatte einbauen durfte, um mit dessen Laufwerk endlich die Installation zu beginnen. Schon wieder so brutal. Ich weiß. Wer es auf meinem Rechner besser hinbekommt (und mir zeigt wie), bekommt ein Sixpack Bier von mir.
Jetzt aber los!